Mikroverunreinigungen

Mit dem Abwasser gelangen trotz gutem Ausbaustandard der Abwasserreinigung noch schädliche Spurenstoffe in die Gewässer, sogenannte Mikroverunreinigungen (MV). Dazu gehören z.B. Medikamentenrückstände, Biozide, Korrosionsschutzmittel und hormonaktive Substanzen. Sie können Wasserlebewesen oder Trinkwasserressourcen gefährden.

 
Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen

Der Bundesrat und das eidgenössische Parlament haben deshalb Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen beschlossen. Rund 100 grössere Abwasserreinigungsanlagen (ARA) sollen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgerüstet werden, welche mindestens 80% der Mikroverunreinigungen (MV) aus dem Abwasser entfernt. Als Grundlage dafür trat Anfang 2016 eine Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) in Kraft.

Danach müssen folgende ARA in den nächsten Jahren eine MV-Eliminationsstufe erstellen:
- ARA mit über 80‘000 angeschlossenen Einwohnern (Eang)
- ARA mit über 24‘000 Eang im Einzugsgebiet von Seen
- ARA mit über 8‘000 Eang mit über 10 % Abwasseranteil in Bach
- ARA mit über 8‘000 Eang im Karstgebiet
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Folgende Luzerner ARA fallen unter diese Kriterien:
- ARA REAL (> 80‘000 Eang)
- ARA Surental (> 8'000 Eang und > 10 % Abwasseranteil in Sure)
- ARA Hochdorf (> 8'000 Eang und > 10 % Abwasseranteil in Ron)
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* Im Entwurf zur GSchV-Revision war ein fünftes Kriterium enthalten, das weitere Anlagen im Kanton Luzern betreffen würde (ARA > 1'000 Eang in ökologisch sensiblem Gebiet oder an für Trinkwasserversorgung wichtigem Gewässer). Dieses Kriterium soll aber (falls überhaupt) erst 2021 in Kraft treten. Zudem sind die genaue Formulierung und die Umsetzung noch unklar. Das Spurenstoff-Konzept des Kantons Luzern (siehe rechte Spalte) berücksichtigt diese Unsicherheiten so weit wie möglich. Es wird aber nach 2021 voraussichtlich aktualisiert werden müssen.

 
Priorisierung

Die Realisierung der Massnahmen wird priorisiert, wobei insbesondere die Grösse der ARA und der Abwasseranteil im Gewässer berücksichtigt werden:

  • 1. Priorität, Realisierung bis spätestens 2025:
    ARA REAL und ARA Surental
  • 2. Priorität, Realisierung bis spätestens 2030:
    ARA Hochdorf (nur falls kein Anschluss zu Stande kommt und ohne Seeeinleitung)
  • 3. Priorität, Realisierung bis spätestens 2035:
    Anlagen nach dem unklaren fünften Kriterium, aus heutiger Sicht ARA Oberes Wiggertal und ARA Sempach-Neuenkirch

Dringliche ARA-Zusammenschlüsse sollen unabhängig von der MV-Elimination rasch realisiert werden. 

Nach Umsetzung der Massnahmen gemäss 1. können über 60% der Abwassermenge aus Luzerner Kläranlagen behandelt werden, mit den voraussichtlichen Massnahmen gemäss 3. Priorität sogar rund 85%.