Familiengärten

Erhöhte Schadstoffgehalte

Im Kanton Luzern werden etwa 50 Familiengartenareale bewirtschaftet. Mit Düngern, Pflanzenschutzmitteln, Kompost und Asche gelangen auch Schadstoffe in den Boden. Strassen- und Bahnverkehr, Aufschüttungen von Bauschutt und ehemalige Abfalldeponien im Untergrund sind weitere mögliche Schadstoffquellen. Untersuchungen in anderen Kantonen haben gezeigt, dass Familiengartenböden verglichen mit Siedlungsböden oft deutlich erhöhte Schadstoffgehalte aufweisen.

Eine hohe Belastung stellt ein Risiko für den Menschen dar. Kleinkinder, die beim Spielen Erde über den Mund aufnehmen, aber auch Konsumentinnen von Gemüse aus den betroffenen Gärten können gefährdet sein.

Die Kantone sind per Gesetz dazu verpflichtet, bei Hinweisen auf Bodenbelastung die tatsächliche Belastungssituation abzuklären.

Priorisierung der Areale

Im Sinne einer systematischen Situationsanalyse hat die Dienstelle Umwelt und Energie (uwe) im Jahr 2008 beurteilt, welche Areale im Kanton Luzern prioritär zu untersuchen sind. Dazu wurde eine Methode verwendet, welche die Wahrscheinlichkeit für erhöhte Gehalte der Schadstoffe Blei und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) grob abschätzt. Sie berücksichtigt die Merkmale Alter, Vornutzung, Vorhandensein von Fremdmaterial (Bauschutt, Metallteile) und Umgebung der Gartenareale. Ältere Areale weisen zum Beispiel ganz generell höhere Belastungen auf als jüngere Areale, was auf die langzeitige Verwendung von Hilfsstoffen zurückzuführen ist. Die Vornutzung ist beispielsweise bei ehemaligen Rebbergen relevant, wo grosse Mengen kupferhaltiger Fungizide versprüht wurden. Fremdmaterial ist ein Hinweis auf ehemalige Ablagerung von Abfällen, die in gewissen Fällen eine Bodenbelastung verursachen.

Schliesslich wurden die Familiengartenareale im Kanton einer Untersuchungspriorität von 1 (= höchste) bis 3 (= tiefste) zugeteilt.

Massnahmen zur Gefahrenabwehr

Ist Gartenboden nachgewiesenermassen über den Prüfwerten nach der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo) mit Schadstoffen belastet, sind für den Schutz der Gesundheit der Gartennutzer Nutzungsvorgaben nötig. Diese betreffen den Anbau von Nahrungspflanzen sowie den Aufenthalt von Kindern bis 6 Jahre im Garten und sind im Merkblatt Nutzungsvorgaben detailliert beschrieben.

Wird gar ein über den Prüfwerten liegender Sanierungswert nach VBBo bzw. Altlastenverordnung (AltlV) überschritten, darf der Familiengarten nicht mehr als solcher genutzt werden, bzw. muss der Boden saniert werden.

Belastungssituation

Bis im Frühjahr 2013 wurden die 11 Areale der Untersuchungspriorität 1 sowie sieben weitere Areale niedrigerer Priorität mittels chemischer Analysen auf ihre Belastungssituation untersucht.

Areale der Untersuchungspriorität 1

Fünf dieser elf Areale befinden sich direkt über oder unmittelbar neben einem Standort, der durch alte Ablagerungen von Abfällen belastet ist. Bei diesen Arealen hat sich der Belastungsverdacht vollumfänglich bestätigt: Auf einem Grossteil der Einzelgärten war der Prüfwert eines Schwermetalls oder von PAK überschritten, auf einem beträchtlichen Teil der Sanierungswert.

Auf den restlichen sechs Arealen der Untersuchungspriorität 1 hat sich die Belastung erfreulicherweise als deutlich geringer als erwartet herausgestellt: nur vereinzelte Überschreitungen der Prüfwerte auf drei Arealen, während die anderen drei Areale keine Prüfwertüberschreitungen aufwiesen. Die deutlich tieferen Richtwerte, ab welchen eine langfristige Gefährdung der Bodenfruchtbarkeit - nicht aber der menschlichen Gesundheit - zu erwarten ist, wurden aber auch hier überschritten.

Areale mit tieferer Untersuchungspriorität

Von den sechs untersuchten Arealen mit geringerer Priorität hat sich nur dasjenige mit den stärksten Belastungshinweisen (v.a. viel Fremdstoffe wie Ziegel und Glasscherben)  als stärker belastet herausgestellt. Die sehr homogene Belastungsverteilung über die verschiedenen Einzelgärten lässt vermuten, dass hier in der Vergangenheit belasteter Humus aufgetragen wurde. Für einige Einzelgärten musste eine Nutzungseinschränkung für Kinder bis 6 Jahre sowie flächendeckend eine Empfehlung zum maßvollen Verzehr von Gemüse aus dem eigenen Garten ausgesprochen werden.

Bei den restlichen fünf Arealen wurde lediglich in zwei Einzelgärten eine leichte Prüfwertüberschreitung festgestellt. Die Richtwerte werden aber auch hier fast flächendeckend überschritten.

Weiteres Vorgehen

Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die am stärksten belasteten Areale im Kanton Luzern – wo zum Schutz der Gärtner Nutzungseinschränkungen notwendig sind – durch die bisherige Untersuchungskampagne erfasst worden sind, und dass die verbleibenden nicht untersuchten Areale wahrscheinlich keine höheren Belastungen aufweisen. In diesem Sinne werden keine weiteren Arealbesitzer zu Bodenuntersuchungen aufgefordert.

Die Resultate zeigen deutlich, dass eine bodenschonende Bewirtschaftung der Gartenböden unablässig ist und zwar in allen Gärten, unabhängig von ihrer Priorisierung.